Eugen Gutnov (Gutnoff)

Porträt von Eugen Gutnov (Gutnoff)
Porträt von Eugen Gutnov (Gutnoff)

Der älteste der fünf Söhne von Solomon und Gadsi Gutnov trug den ossetischen Namen Elbysdyko Gutnov. Eugen selbst verwendete das Patronym „Alexandrowitsch“, das auch in den Quellen in dieser Form erscheint. Er wurde am 11. März 1888 geboren. In Deutschland, wo er den größten Teil seines Lebens verbrachte, war er als Eugen Gutnoff (Evgeniy Gutnoff) bekannt.

Von 1903 bis 1907 lernte und arbeitete er bei der Zeitung Kasbek in Wladikawkas. Anschließend zog er nach St. Petersburg und wurde Setzer in der Druckerei des Finanzministeriums; nach Zefira Butaevas Bericht half er dort auch beim Druck von Flugblättern einer sozialdemokratischen Gruppe. 1912 wurde bei ihm Lungentuberkulose festgestellt. Ein Konsilium allopathischer Ärzte gab ihm höchstens noch drei bis sechs Monate zu leben, doch der Petersburger Homöopath Professor Lew Jewgenjewitsch Brasol heilte ihn, was spätere Lungenaufnahmen bestätigten. Nach Eugens eigener Aussage war diese Krankheit der wichtigste Grund für seine Ausreise. Er verließ Russland am 8. November 1913 und lebte fortan in Berlin.

Im Mai 1919 meldete Eugen in Berlin einen eigenen Verlag an, dem von 1919 bis 1925 eine kleine Privatdruckerei angeschlossen war. Von 1921 bis 1923 entstand im Umfeld des Verlags die literarisch-künstlerische Zeitschrift Spolochi. Sie wurde von 1921 bis zu A. Drosdows Wechsel zur Zeitung Nakanune im Jahr 1923 von ihm redigiert und veröffentlichte Beiträge von K. D. Balmont, I. A. Bunin, N. M. Minski, N. A. Ozup, W. F. Chodassewitsch, M. A. Woloschin und A. N. Tolstoi. Nach Schätzungen von Historikern der russischen Exilliteratur brachte Gutnovs Verlag bis zu 215 Titel aus Philosophie, Literatur, Naturwissenschaft und Kultur heraus; J. I. Berditschewski konnte 89 Titel dokumentieren, die vor allem zwischen 1920 und 1924 erschienen.

Ein wichtiges Kapitel in Eugens Leben war seine Beziehung zu Gappo Baev, einem bedeutenden ossetischen Pädagogen und Publizisten, Mitbegründer des Verlags Ir und ehemaligen Bürgermeister von Wladikawkas. Baev hatte den jungen Gutnov zu Beginn seiner Laufbahn im Druckwesen unterstützt. Als Eugen 1921 von Baevs Notlage in Konstantinopel erfuhr, bemühten er und Frida sich um dessen Einreise- und Arbeitserlaubnis für Deutschland, bürgten für seinen Unterhalt, schickten ihm Geld und boten ihm Unterkunft an. Mit Unterstützung von Baron Woldemar von Uexküll erhielt Baev die Genehmigung und kam im Januar 1922 nach Berlin. Später entstanden Meinungsverschiedenheiten: Eugen erwartete von Baev eine aktivere Mitarbeit im Verlag, während dieser viel Zeit seinen wissenschaftlichen Studien widmete. Die erhaltenen Dokumente belegen jedoch keinen endgültigen Bruch; später würdigte Baev Gutnovs Verlag und dessen Beitrag zum ossetischen Schrifttum. Mehr dazu in ihrem veröffentlichten Briefwechsel.

Eugen unterstützte außerdem seinen jüngeren Bruder Elbrus bei der Übersiedlung nach Deutschland und beim Studium, nachdem dieser 1922 nach Berlin gekommen war. Gleichzeitig verlegte und übersetzte Eugen Bücher ossetischer Schriftsteller wie Kosta Chetagurow, G. Malijew und A. Gulujev ins Ossetische und schickte sie nach Wladikawkas. Er half den dortigen Druckereien bei der Beschaffung moderner Maschinen und Schriften und reiste 1927 eigens nach Wladikawkas, um diese organisatorischen Fragen zu klären. Seine Verlagstätigkeit dauerte mindestens bis 1931 an, obwohl die Berliner Druckerei selbst 1924 geschlossen wurde; die letzte dokumentarische Erwähnung des Verlags stammt aus dem Jahr 1933.

Eugen stand bis 1935 mit seinem Bruder Kirill in Briefwechsel. Gerade diese Briefe wurden zum wichtigsten „Sachbeweis“ für die Anschuldigungen, die nach Kirills Verhaftung 1937 gegen ihn erhoben wurden. Näheres dazu steht auf der Seite „Kirill Solomonowitsch Gutnov“ sowie in Zefira Butaevas Erzählung „Die Tragödie der Brüder“.

Eugen war mit Frida verheiratet, der Tochter des Besitzers jener Berliner Druckerei, in der er zunächst als Setzer gearbeitet hatte; später übernahm er den Betrieb. Das Paar hatte einen Sohn, Kostja.

Frida Gutnova
Frida Gutnova

Der Kontakt zur Familie in der UdSSR brach Ende der 1930er Jahre ab und kam erst Ende der 1960er Jahre wieder zustande, als Elbrus seinen Bruder über die sowjetische Vertretung des Internationalen Roten Kreuzes ausfindig machte. Die fünf erhaltenen Briefe Eugens an Elbrus aus der Zeit von August 1967 bis Mai 1968 berichten von den letzten bekannten Jahren seines Lebens: vom Verlust seines gesamten Besitzes und seines Hauses bei Berlin während des Krieges, vom gescheiterten Versuch eines Neuanfangs, von Armut und Krankheit. Ende 1968 zwangen ihn steigende Preise, eine bescheidene Rente und eine unheilbare Krankheit, West-Berlin zu verlassen und in die Bundesrepublik zu ziehen — zunächst in das Dorf Vehlen bei Obernkirchen, später nach Heeßen bei Bad Eilsen. Sein weiterer Lebensweg und das genaue Todesdatum sind unbekannt. Seinen Körper vermachte er der Berliner Universität für medizinische Forschungszwecke.

Zefira Butaeva erzählt die Geschichte von Eugen, Kirill und Elbrus Gutnov in „Die Tragödie der Brüder“. Weitere Einzelheiten über Eugens Schicksal sind aus seinen Briefen an die Brüder bekannt. Die Briefe an Kirill veröffentlichte Zefira Butaeva selbst in dem Aufsatz „Ein ossetischer Verleger aus Berlin“ (Darjal, 1991, Nr. 3, S. 160–176), die Briefe an Elbrus der Historiker Dmitri Gutnov in „Leben nach dem Leben“ (Bibliophile Nachrichten, Bd. 17, Moskau 2013, S. 25–34). Den Briefwechsel Eugen und Frida Gutnovs mit Gappo Bajew aus dem Jahr 1921 veröffentlichte Swetlana Dartschijewa in dem Aufsatz „Ein ‚Gutenberg‘ aus Ossetien in Berlin“ (Izvestija SOIGSI, H. 60 (99), 2026, S. 164–195); die Archivdokumente dieses Briefwechsels werden außerdem in wissenschaftlichen Beiträgen von Vittorio Springfield Tomelleri behandelt. Sämtliche Quellen sind im Abschnitt „Links“ aufgeführt.

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